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Radioaktivitätsuntersuchungen im Versorgungsgebiet der Erzgebirge Trinkwasser GmbH (ETW GmbH)

Mit der EG - Trinkwasserrichtlinie vom 22. Oktober 2013 hat die Europäische Union einen Parameterwert für Radon-222 von 100 Bq/l und für die Richtdosis von 0,1 mSv pro Jahr festgelegt. Die genannte Richtlinie merkt dazu an, dass der von einem Mitgliedsstaat festzusetzende Wert für die Radon-222-Aktivitätskonzentration auch höher als 100 Bq/l sein kann, jedoch 1000 Bq/l nicht überschreiten darf. Bei einer Radon-222-Aktivitätskonzentration von mehr als 1000 Bq/l sind Abhilfemaßnahmen ohne weitere Prüfung gerechtfertigt.

Die Bundesrepublik Deutschland hat mit ihrer geänderten Trinkwasserverordnung (TrinkwV), die am 26. November 2015 in Kraft getreten ist, die empfohlenen Parameterwerte der EU für Radon-222 und die Richtdosis übernommen. In dieser TrinkwV wurde festgelegt, dass die Unternehmer und sonstigen Inhaber von zentralen Wasserwerken, die bereits zum Inkrafttreten der Verordnung betrieben wurden, eine Erstuntersuchung auf radioaktive Stoffe natürlichen Ursprungs bis zum 26. November 2019 durchführen zu lassen haben. Bei dezentralen kleinen Wasserwerken besteht eine Untersuchungspflicht, wenn das zuständige Gesundheitsamt dies angeordnet hat.
Die Erstuntersuchung umfasst die Bestimmung der Aktivitätskonzentrationen in den 4 unterschiedlichen Quartalen eines Jahres, um möglichst jahreszeitliche oder betriebsbedingte Schwankungen der Radionuklidgehalte zu berücksichtigen. Der ermittelte Jahresdurchschnitt dient dann der Bewertung der Aktivitätskonzentrationen. Daraufhin hat die ETW GmbH ein mit dem Gesundheitsamt abgestimmtes Untersuchungsprogramm aufgestellt. Dieses Programm umfasste einen Umfang von insgesamt 180 Proben von 45 verschiedenen Wässern bzw. Versorgungsgebieten.

In 39 von 45 Versorgungsgebieten lagen die Messwerte für die Radon-222-Aktivitätskonzentration und für die Richtdosis unterhalb der festgelegten Parameterwerte von 100 Bq/l bzw. 0,1 mSv pro Jahr. Ein Risiko für die menschliche Gesundheit ist nicht anzunehmen. Die in der TrinkwV festgelegten Parameterwerte sind keine Grenzwerte. Kommt es zu Überschreitungen dieser Parameterwerte, hat das zuständige Gesundheitsamt zu prüfen, ob ein Risiko für die menschliche Gesundheit besteht, das ein Handeln erfordert und notwendige Maßnahmen anzuordnen. Ziel dieser Maßnahmen ist, dass das Trinkwasser ein Leben lang unbedenklich verwendet werden kann, ohne dass sein Verzehr nennenswert zur gesamten Strahlenexposition beiträgt.
Der Leitfaden zur Untersuchung und Bewertung von radioaktiven Stoffen im Trinkwasser bei der Umsetzung der Trinkwasserverordnung, Stand Januar 2017, empfiehlt bei Radon-222-Aktivitätskonzentrationen von >120 bis <= 300 Bq/l, Reduzierungsmaßnahmen innerhalb eines Zeitrahmens von 10 Jahren durchzuführen. Radon-222-Aktivitätskonzentrationen von > 100 bis <= 120 Bq/l stellen geringfügige, unter dem Gesichtspunkt des Strahlenschutzes zu vernachlässigende Überschreitungen des genannten Parameterwertes dar, deren Duldung bei Nichtverfügbarkeit einfachster Reduzierungsmaßnahmen möglich ist.

Überschreitungen des Parameterwertes Radon-222 von 100 Bq/l lagen in 6 Versorgungsgebieten vor. Dazu hat das Gesundheitsamt entsprechende Festlegungen getroffen.

Versorgungsgebiet/
Radon-222-Aktivitätskonzentration/ Erstuntersuchungsergebnis
Festgelegte Maßnahmen durch das Gesundheitsamt (GA) sowie bereits von der ETW GmbH eingeleitete und durchgeführte Maßnahmenvom Gesundheitsamt geduldeter Wert für die Radon-222-Aktivitätskonzentration bis zur Realisierung der Reduzierungsmaßnahmen

Marienberg OT Satzung/
103 Bq/l

Wegen geringfügiger Überschreitung und Fehlen einfachster Mittel zur Reduzierung wurden vom GA keine Abhilfemaßnahmen angeordnet, Wiederholungsmessungen der Radon-222-Aktivitätskonzentrationen analog zur Erstuntersuchung sind im Jahr 2023 durchzuführen.120 Bq/l
Marienberg OT Kühnhaide/
188 Bq/l
Die Duldung der Überschreitung erfolgt durch das GA bis maximal 31.12.2027. Reduzierungsmaßnahmen sind bis zum 31.12.2027 abzuschließen. Regelmäßige Untersuchungen auf Radon-222 sind durchzuführen.
Die ETW GmbH plant den Bau einer Radoneliminierung (Belüftungsanlage).
300 Bg/l
Marienberg OT Ansprung/
229 Bq/l
Eine Radoneliminierung (Belüftungsanlage) wurde von der ETW GmbH in der TWA Ansprung bereits 2018 installiert. Das GA hatte für 2019 Wiederholungsmessungen auf radioaktive Stoffe natürlichen Ursprungs angeordnet und die Überschreitung des Parameterwertes Radon-222 bis zum Vorliegen der 4 Untersuchungsergebnisse geduldet.
Die Messergebnisse nach Aufbereitung zeigen nur noch geringe Radon-222-Aktivitätskonzentrationen. Aus den 3 bis dato vorliegenden Untersuchungsergebnissen ergibt sich ein Durchschnittswert von 37 Bq/l.
300 Bq/l
Marienberg OT Rübenau/
113 Bq/l
Wegen der geringfügigen Überschreitung wurden vom GA für das Quellgebiet Kriegwald keine Reduzierungsmaßnahmen angeordnet. Die Überschreitung wurde vorerst geduldet.
Die Inbetriebnahme des Tiefbrunnens Rübenau wurde dem GA ordnungsgemäß angezeigt. Wasser aus dem Quellgebiet und aus dem Tiefbrunnen werden gemischt und gemeinsam aufbereitet. Eine nochmalige Erstuntersuchung auf radioaktive Stoffe natürlichen Ursprungs nach Inbetriebnahme des Tiefbrunnens wird 2019 abgeschlossen sein. Ergebnisse dazu werden 2020 bekanntgegeben.
120 Bg/l
Mildenau OT Arnsfeld,
Versorgungszone
Untere Zone
(siehe Link unten)/
121 Bq/l
Festlegung des GA aus dem Anhörungsverfahren:
Die Duldung der Überschreitung erfolgt bis maximal 31.12.2027.
Maßnahmen zur Reduzierung der Radon-222-Aktivitätskonzentration sind bis spätestens 31.12.2027 abzuschließen.
Regelmäßige Untersuchungen des Trinkwassers auf den Parameter Radon-222 sind durchzuführen.
Die ETW GmbH hat bereits ab 2019 Reduzierungsmaßnahmen durch Mischung von unterschiedlichen Wässern durchgeführt.
Bei 3 vorliegenden Messergebnissen lag die Radon-222-Aktivitätskonzentration im Durchschnitt bei 65 Bq/l, also kleiner als 100 Bq/l.
300 Bg/l
Geyer
Versorgungszone HB Walthershöhe (siehe Link unten/
249 Bg/l
Festlegung des GA aus dem Anhörungsverfahren:
Die Duldung der Überschreitung erfolgt bis maximal 31.12.2028.
Maßnahmen zur Reduzierung der Radon-222-Aktivitätskonzentration sind bis spätestens 31.12.2028 abzuschließen.
Regelmäßige Untersuchungen des Trinkwassers auf den Parameter Radon-222 sind durchzuführen.
Die ETW GmbH hat ab 2019 Reduzierungsmaßnahmen durch Mischung von unterschiedlichen Wässern durchgeführt. Bei 3 vorliegenden Messergebnissen konnte die Radon-222-Aktivitätskonzentration im Durchschnitt von 249 Bg/l auf 143 Bq/l gesenkt werden.
Die ETW GmbH prüft derzeit, ob der Bau einer neuen Trinkwasseraufbereitung günstiger ist, wie die Alternative eines Anschlusses an die Fernwasserleitung Cranzahl-Gelenau.
300 Bq/l

Übersichtskarte Versorgungszone Arnsfeld

Übersichtskarte Versorgungszone Geyer

In allen bisher vorliegenden Anordnungen bescheinigt das Gesundheitsamt, dass mit den Überschreitungen des Parameterwertes Radon-222 keine unmittelbaren Gesundheitsgefährdungen zu erwarten sind. Es gilt jedoch ein Minimierungsgebot.

Ansprechpartner ETW GmbH:

E-Mail: qualitaet(at)wasserversorgung-etw.de

Telefon: 03733 138-0

(Fragen an das Gesundheitsamt richten Sie bitte an das Landratsamt Erzgebirgskreis, Abteilung 2 Soziales und Ordnung, Referat Öffentlicher Gesundheitsdienst, Sachgebiet Infektionsschutz.)